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Claude Mythos 5 & Fable 5 gesperrt: Wie gefährlich ist die KI wirklich?

Die US-Regierung zwang Anthropic, Claude Mythos 5 und Fable 5 weltweit abzuschalten. War es eine echte technische Gefahr – oder vor allem eine regulatorische Entscheidung? Ein ehrlicher Faktencheck zu Jailbreak-Risiko, Cybersicherheit und KI-Sicherheit.

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Claude Mythos 5 und Fable 5: KI-Sicherheit, Cybersicherheit und US-Exportkontrolle

Auf einen Blick

  • Die US-Regierung zwang Anthropic, Claude Mythos 5 und Fable 5 weltweit abzuschalten.
  • War es eine echte technische Gefahr – oder vor allem eine regulatorische Entscheidung?
  • Ein ehrlicher Faktencheck zu Jailbreak-Risiko, Cybersicherheit und KI-Sicherheit.

Die KI-Welt hat in den letzten Jahren viele „revolutionäre“ Modelle gesehen. Doch der Vorfall rund um Anthropics Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 war weit mehr als ein gewöhnlicher Modell-Launch. Denn diesmal ging es nicht nur um die Frage, welche KI besser programmiert oder klüger ist. Es ging um nationale Sicherheit, Cyberabwehr, Jailbreak-Risiken, Exportkontrollen und die Frage, in wessen Hände die fortschrittlichsten KI-Modelle der Welt gelangen dürfen.

Claude Mythos 5 & Fable 5 gesperrt: Wie gefährlich ist die KI wirklich?

Mythos 5 und Fable 5 im Überblick: Warum die US-Regierung den Zugang weltweit stoppte.

Die kurze Antwort

Am 12. Juni 2026 zwang eine aus Gründen der nationalen Sicherheit erlassene Exportkontroll-Anweisung des US-Handelsministeriums Anthropic dazu, den Zugang zu seinen beiden leistungsstärksten Modellen Claude Mythos 5 und Claude Fable 5 weltweit auszusetzen. Die verbreitete Erzählung „diese Modelle wurden gesperrt, weil sie zu gefährlich sind“ lässt jedoch einen wichtigen Teil der Wahrheit aus.

Vorweg das Ergebnis: Die öffentlich verfügbaren Belege deuten darauf hin, dass die Modelle nicht wegen einer nachgewiesenen technischen Katastrophe abgeschaltet wurden, sondern weil eine eng begrenzte Sicherheitslücke (ein Jailbreak) einen regulatorischen Reflex auslöste. Die Gefahrendebatte ist real – aber sie ist nicht so eindeutig, wie sie zunächst klingt.

Die Chronologie der Ereignisse

  • 9. Juni 2026 – Ankündigung von Fable 5 und Mythos 5. Anthropic stellte beide Modelle vor. Fable 5 wurde als das stärkste allgemein verfügbare Modell positioniert, Mythos 5 als technisch nahezu identisch, jedoch mit gelockerten Sicherheitsfiltern und nur eingeschränktem Zugang.
  • 12. Juni 2026 – die Anweisung. Anthropic erhielt vom US-Handelsministerium eine Exportkontroll-Anweisung. Sie untersagte die Nutzung der Modelle durch jede „ausländische Person“ – innerhalb wie außerhalb der USA, einschließlich der eigenen ausländischen Mitarbeiter von Anthropic.
  • Noch in derselben Nacht – weltweite Abschaltung. Da eine zuverlässige Filterung der Nutzer nach Staatsangehörigkeit technisch nicht umsetzbar sei, deaktivierte Anthropic beide Modelle für sämtliche Kunden. Plattformen wie AWS Bedrock, Google Cloud, Microsoft Foundry und Snowflake waren gleichzeitig betroffen. Andere Claude-Modelle (etwa Claude Opus 4.8) blieben verfügbar.
  • 27. Juni 2026 – teilweise Lockerung. US-Handelsminister Howard Lutnick teilte in einem Schreiben mit, dass nur eine begrenzte Zahl von der Regierung genehmigter Partner Zugang zu Mythos 5 erhalten dürfe. Für Fable 5 wurde noch keine Freigabe erteilt; Verhandlungen liefen weiter.

Was sind Mythos 5 und Fable 5?

Claude Fable 5 und Claude Mythos 5 gehören zu der von Anthropic als „Mythos-Klasse“ bezeichneten neuen Modellgeneration – eine Leistungsstufe oberhalb des bisherigen Opus-Niveaus. Fable 5 ist die für die breite Nutzung freigegebene Version: leistungsstark, aber durch Sicherheitsfilter begrenzt. Mythos 5 teilt dieselben Grundfähigkeiten, hat jedoch in bestimmten Bereichen – vor allem in der Cybersicherheit – gelockerte Beschränkungen und war nur ausgewählten, vertrauenswürdigen Organisationen zugänglich.

Ein einfacher Vergleich: Fable 5 ist wie die straßenzugelassene Version eines Hochleistungssportwagens. Schnell und stark, aber mit Tempolimit, Bremsassistenten und Sicherheitskontrollen. Mythos 5 kommt eher der Rennstreckenversiom desselben Motors gleich – deutlich flexibler und kraftvoller, weshalb der Zugang von vornherein auf professionelle, überwachte und vertrauenswürdige Akteure beschränkt werden sollte.

Laut Anthropic glänzte Fable 5 besonders bei langen, komplexen Aufgaben: Es kann Code analysieren, Änderungen in großen Codebasen planen, Bilder interpretieren, Daten aus wissenschaftlichen Diagrammen auslesen und liefert bei Aufgaben mit langem Kontext konsistentere Ergebnisse als frühere Modelle. In den Beispielen des Unternehmens bewältigte Fable 5 eine Migration in Stripes 50 Millionen Zeilen umfassender Ruby-Codebasis – ein Prozess, der normalerweise Monate dauert – in deutlich kürzerer Zeit.

Wo beginnt die eigentliche Gefahr?

Im Kern der Mythos-und-Fable-Debatte steht nicht die simple Behauptung „die KI ist so klug geworden, dass sie gefährlich ist“. Der eigentliche Punkt ist technischer Natur: Diese Modelle sind besonders stark darin geworden, Sicherheitslücken zu finden, große Systeme zu analysieren, Muster in Codebasen zu erkennen und lange Aufgaben autonom fortzuführen.

Für einen Sicherheitsexperten ist das eine großartige Entwicklung. Stellen wir uns die Codebasis eines großen Unternehmens mit Millionen von Zeilen vor. Menschliche Teams können diesen Code unmöglich vollständig manuell prüfen, klassische Scanner bleiben oft oberflächlich. Ein fortschrittliches KI-Modell hingegen kann verstehen, was der Code zu tun versucht, Beziehungen zwischen Dateien verfolgen und erklären, in welchen Diensten ein Berechtigungsfehler ein Risiko darstellt.

Doch dieselbe Fähigkeit ist auch für Angreifer attraktiv. Ein böswilliger Akteur kann dasselbe Modell nutzen, um nicht die Verteidigung zu stärken, sondern die Angriffsfläche zu verstehen. Deshalb gelten Modelle wie Fable 5 und Mythos 5 als Dual-Use-Technologie: Dasselbe Werkzeug kann die Verteidigung stärken und zugleich Angreifern die Arbeit erleichtern.

Eine wichtige Einordnung liefert hier auch eine Beobachtung der Wissenschaftsplattform Evrim Ağacı: Es geht nicht allein um die „Intelligenz“ eines riesigen Modells, sondern darum, wie dieses Modell mit der richtigen Architektur gesteuert wird. Auch kleine oder günstige Modelle können bestimmte Lücken finden; den Unterschied macht häufig das System, das das Modell auf das richtige Ziel lenkt – die Agenten-Architektur, die Automatisierungsschicht und die Aufgabenplanung.

Anders gesagt: Die Gefahr ist nicht nur „ein einzelner superintelligenter Chatbot“. Das eigentliche Risiko entsteht, wenn man das Modell mit Werkzeugen, Scan-Systemen, Speicher, Code-Ausführungsumgebung und automatisierten Aufgaben-Workflows kombiniert. Aus dem antwortenden Programm wird dann ein Agentensystem, das Ziele setzt, Dateien liest, vergleicht, debuggt, erneut versucht und arbeitet, bis es zum Ergebnis kommt.

Warum wurde Fable 5 eingeschränkt?

Laut Anthropics offizieller Erklärung vom 12. Juni 2026 hegte die US-Regierung die Sorge, dass sich die Sicherheitsvorkehrungen von Fable 5 mit einer bestimmten Methode umgehen ließen. Das Unternehmen entgegnete, das ihm vorgelegte Beispiel sei sehr eng begrenzt gewesen: Das Modell habe lediglich einige bereits bekannte und vergleichsweise einfache Schwachstellen gefunden – etwas, das auch mit anderen öffentlich verfügbaren Modellen möglich sei. Anthropic betonte zudem, man habe für Fable 5 umfangreiche Red-Team-Tests durchgeführt und mit der US-Regierung, dem britischen AI Safety Institute und Dritt-Teams Tausende Stunden an Bewertungen geleistet.

Eines der zentralen Argumente lautete: Bis zu diesem Zeitpunkt sei kein „universeller Jailbreak“ gefunden worden, der alle Sicherheitsvorkehrungen von Fable 5 großflächig außer Kraft setze. Anthropic räumte zugleich ein, dass kein Anbieter eine perfekte Jailbreak-Resistenz garantieren kann – eine entscheidende Wahrheit der KI-Sicherheit.

Der wichtige Punkt: Die Abschaltung von Fable 5 erfolgte nicht, weil bewiesen wurde, dass das Modell mit Sicherheit eine Katastrophe auslöst, sondern weil das Potenzial des Missbrauchs auf Ebene der nationalen Sicherheit ernst genommen wurde. In der Öffentlichkeit entsteht leicht der Eindruck „wenn es gesperrt wurde, muss es extrem gefährlich sein“. Die technische Realität ist komplexer.

Warum gilt Mythos 5 als sensibler?

Der wesentliche Unterschied zu Fable 5 bestand darin, dass bei Mythos 5 die Sicherheitsfilter in einigen Bereichen entfernt waren. Mythos 5 war nicht öffentlich verfügbar und wurde im Rahmen ausgewählter Cyberabwehr-Partnerschaften bereitgestellt. Während Fable 5 über Sicherheitsklassifizierer bestimmte Anfragen ablehnen konnte, enthielt Mythos 5 diese Klassifizierer nicht.

Damit ist Mythos 5 für Verteidigungsteams sehr wertvoll, in den falschen Händen jedoch ein riskantes Werkzeug. Eine Organisation, die kritische Infrastruktur betreibt, könnte mit einem Modell wie Mythos 5 ihre eigenen Schwachstellen schneller aufdecken – ein großer Vorteil für Stromnetze, Finanznetze, Krankenhaussysteme, Telekom-Infrastrukturen oder Behörden. Dieselbe Fähigkeit kann in der Hand eines Angreifers jedoch zu einem Beschleuniger werden, um Verteidigungslücken schneller zu entdecken.

Nach Berichten von Reuters und Business Insider erlaubte die US-Regierung am 27. Juni 2026, Mythos 5 einigen „vertrauenswürdigen“ US-Organisationen, die kritische Infrastruktur betreiben und schützen, wieder eingeschränkt bereitzustellen. Über eine erneute allgemeine Freigabe von Fable 5 werde weiter verhandelt. Das zeigt: Es geht weniger um ein „das Modell muss vernichtet werden“ als vielmehr um kontrollierten Zugang und Sicherheitsbewertung.

Was bedeutet „Jailbreak“ und warum ist das so wichtig?

Im KI-Kontext bezeichnet Jailbreak Methoden, die darauf abzielen, die Sicherheitsregeln oder Antwortgrenzen eines Modells zu umgehen. Das Ziel ist häufig, dem Modell eine Antwort zu entlocken, die es normalerweise nicht geben sollte, einen Sicherheitsfilter zu umgehen oder die Durchsetzung einer Richtlinie zu verhindern.

In der Fable-5-Debatte liegt das Problem darin: Wenn sich das öffentlich verfügbare, gefilterte Fable 5 mit bestimmten Eingaben dazu bringen lässt, sich ähnlich wie das weniger eingeschränkte Mythos 5 zu verhalten, schwächt das die Position, Fable sei die „sichere öffentliche Version“. Genau hier dürfte sich die Sorge der US-Regierung verdichtet haben.

Anthropics Einwand ist jedoch nachvollziehbar: Die gezeigte Technik sei nicht universell gewesen, habe also nicht alle Sicherheitsvorkehrungen generell deaktiviert, und habe sich auf kleine, bereits bekannte Lücken gestützt, die auch andere Modelle finden könnten. Die Jailbreak-Frage lässt sich daher nicht auf eines der beiden Extreme reduzieren. Frontier-Modelle entwickeln immer bessere Sicherheitsfilter – aber eben keine perfekten.

Gefahrenstufe: Übertreibung oder reale Bedrohung?

Die treffendste Einschätzung für Claude Mythos 5 und Fable 5 lautet wohl: Die Gefahr ist real, aber nicht so simpel, wie sie in der Öffentlichkeit dargestellt wird.

Diese Modelle sind nicht gefährlich, weil sie „Bewusstsein erlangt“ hätten oder wie in Science-Fiction-Filmen die Welt erobern wollten. Die konkreten Risiken sind praktischer und näher:

  • Schnelleres Auffinden von Sicherheitslücken – ein großer Vorteil für Verteidigungsteams, ein potenzieller Vorteil für Angreifer.
  • Analyse großer Codebasen weit schneller als Menschen – steigert die Produktivität, kann aber auch das Aufspüren von Schwachstellen erleichtern.
  • Fortführung langer Aufgaben in Kombination mit Agentensystemen – das Modell beantwortet nicht nur eine Frage, sondern hält einen schrittweisen Arbeitsablauf aufrecht.
  • Arbeit mit sensiblem Wissen in Hochrisikobereichen wie Biologie, Chemie und Cybersicherheit. Anthropic veröffentlichte Fable 5 mit Schutzmaßnahmen, die solche Anfragen an ein schwächeres Modell weiterleiten.
  • Strategische Dimension des Zugangs – wer Zugang zu den fortschrittlichsten Modellen hat, kann sich Vorteile bei Cyberabwehr und Cyberangriff verschaffen. Modellzugang wird damit zur geopolitischen Frage.

Selbst Sicherheitsforscher sind gespalten: Ein Teil hält die Reaktion der Regierung für „überzogen“, andere sehen in fortschrittlicher KI eine ernsthafte Cyberbedrohung.

Die ehrliche Kehrseite

Bis hierhin neigt die Erzählung zu „übertriebener Alarm“. Eine ehrliche Betrachtung muss aber auch die andere Seite zeigen.

Anthropic hat diesen Widerspruch mit eigener Sprache geschaffen. Das Unternehmen beschrieb sein Frontier-Modell als „so guten Hacker, dass man es nicht sofort veröffentlichen kann“. Wer ein Produkt in jeder Pressemitteilung wie Munition beschreibt, darf sich nicht wundern, wenn eine Regierung es beim Wort nimmt. Anthropic hat die juristische Begründung gewissermaßen selbst mitgeliefert.

Jailbreaks lassen sich naturgemäß nicht vollständig verhindern. Selbst Anthropic räumt ein, dass perfekte Jailbreak-Resistenz für keinen Anbieter heute möglich ist. Jede Sicherheitsmaßnahme der Branche bleibt unter bestimmten Bedingungen anfällig.

Die tiefste Schwachstelle liegt im Nichtwissen. Das grundlegende Problem solcher Modelle ist, dass wir nicht genau wissen, wie sie funktionieren. Modelle mit Milliarden interner Parameter, trainiert auf riesigen Datenmengen, funktionieren besser als erwartet – und dieser „unerklärliche Erfolg“ bedeutet sicherheitstechnisch auch Unvorhersehbarkeit. Die Gefahr liegt also nicht in einem einzelnen Jailbreak, sondern in der schwer kontrollierbaren Natur des Systems.

Was bedeutet das für Europa und Deutschland?

Für ein europäisches Tech-Publikum hat dieser Vorfall eine wichtige regulatorische Dimension. Die Verpflichtungen der EU für allgemeine KI-Modelle (General-Purpose AI) im Rahmen des AI Act gelten seit dem 2. August 2025. Die Europäische Kommission stellt Sicherheit, Transparenz und Risikomanagement insbesondere für Modelle mit systemischem Risiko in den Vordergrund.

Der Mythos-und-Fable-Vorfall ist daher keine reine US-Angelegenheit. Auch für Unternehmen in Europa wirft er Fragen auf:

  • Wie stark sollte ein Unternehmen für kritische Prozesse von einem einzigen ausländischen KI-Anbieter abhängig sein?
  • Wie lässt sich die Geschäftskontinuität sichern, wenn ein Modell über Nacht abgeschaltet wird?
  • Wie sollten Firmen, die mit KI Code prüfen, ihre Sicherheits-, Datenschutz- und Compliance-Prozesse dokumentieren?
  • Welcher Aufsichtsstandard entsteht auf EU-Seite für Modelle mit systemischem Risiko?

Besonders für Technologie-, Automobil-, Finanz-, Gesundheits- und Industrieunternehmen in Deutschland sind diese Fragen relevant, da KI längst in Softwareentwicklung, Produktdesign, Datenanalyse, Qualitätskontrolle und Cybersicherheit verankert ist.

Was sollten Unternehmen tun?

Der Fall liefert eine klare Lehre: Die fortschrittlichsten KI-Werkzeuge bieten enorme Vorteile, aber eine ungeplante Abhängigkeit ist riskant.

  • Nicht an ein einziges Modell oder einen einzigen Anbieter binden. Architektur so abstrahieren, dass der Anbieter austauschbar ist (etwa über eine Adapter- bzw. Fallback-Schicht). Dass Anthropic-Nutzer auf Opus 4.8 zurückgreifen konnten, zeigte den Wert lose gekoppelter Architektur.
  • Ein KI-Nutzungsinventar erstellen. Welches Team nutzt welches Modell? Auf welche Daten greift es zu? Hat es Zugriff auf die Codebasis oder Produktionssysteme? Unsichtbare Abhängigkeiten sind das größte operative Risiko.
  • Verträge um Klauseln zu regulatorischer Aussetzung ergänzen. Klassische Force-Majeure-Klauseln reichen für diese Art von Risiko nicht mehr aus.
  • Backup-Modelle und Backup-Workflows für kritische Prozesse vorhalten, damit Entwicklung, Support, Sicherheitsanalyse oder Content-Produktion bei einem plötzlichen Ausfall nicht stillstehen.
  • Cybersicherheits-Einsatz von KI in ethischen und rechtlichen Grenzen halten. Eigene Systeme testen oder an autorisierten Bug-Bounty-Programmen teilnehmen ist legitim; nicht autorisierte Systemanalyse ist es nicht.

Gibt es eine Gefahr für normale Nutzer?

Aus Sicht alltäglicher Nutzer bedeutet der Vorfall nicht „dein Smartphone ist in Gefahr“. Das Risiko betrifft vor allem Entwickler, Organisationen, Cybersicherheitsteams, Betreiber kritischer Infrastruktur und sicherheitspolitische Entscheidungen.

Die indirekten Effekte betreffen jedoch alle: Je leistungsfähiger KI-Modelle werden, desto schneller wird Software entwickelt, desto schneller verändern sich digitale Produkte und desto stärker verschiebt sich das Gleichgewicht zwischen Cyberangriff und Cyberabwehr. Deshalb bleibt grundlegende Cyber-Hygiene wichtig: starke Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung, aktuelle Software, Vorsicht bei verdächtigen Links und ein bewusster Umgang mit persönlichen Daten.

Hätten Mythos und Fable gesperrt werden müssen?

Eine einfache Antwort gibt es nicht. Sicherheitstechnisch kann die unkontrollierte Verbreitung der fortschrittlichsten Modelle reale Risiken bergen – gerade in Cybersicherheit, Biologie und Chemie. Andererseits können zu harte Verbote Probleme schaffen, denn dieselben Modelle sind auch für Verteidigungsteams sehr mächtig. Wenn nur Angreifer über Umwege an vergleichbare Fähigkeiten gelangen, während Verteidiger eingeschränkt werden, kann das Sicherheitsgleichgewicht kippen.

Der vernünftigste Ansatz ist daher nicht das vollständige Verbot, sondern kontrollierter Zugang, unabhängige Sicherheitstests, transparente Berichterstattung, schrittweise Bereitstellung und strenge Aufsicht in Hochrisikobereichen. Dass Mythos 5 ausgewählten Betreibern kritischer Infrastruktur wieder bereitgestellt werden konnte, deutet auf die Suche nach genau einer solchen Zwischenlösung hin.

Fazit: Die Gefahr liegt nicht im Modell selbst, sondern in Zugang und Kontrolle

Der Fall Claude Mythos 5 und Fable 5 zeigt die neue Ära der KI. Es geht längst nicht mehr nur um Modelle, die besser chatten oder schneller Code schreiben. Die neue Generation versteht Softwaresysteme, hält lange Aufgaben durch, interpretiert wissenschaftliche Daten und sorgt in der Cybersicherheit für einen echten Kapazitätssprung.

Diese Macht ist für sich genommen weder gut noch böse. In der Hand gutwilliger Fachleute kann sie die Sicherheit erhöhen, Forschung beschleunigen und Softwarefehler reduzieren. In der Hand böswilliger Akteure kann sie die Entdeckung von Lücken beschleunigen und die Kosten von Angriffen senken.

Die treffendste Antwort auf die Frage „Wie gefährlich sind Mythos und Fable?“ lautet deshalb:

Ja, diese Modelle sind potenziell gefährlich. Aber die Gefahr ergibt sich nicht aus ihrer bloßen Existenz, sondern daraus, wer Zugang hat, mit welchen Werkzeugen sie verbunden sind, mit welchen Sicherheitsgrenzen sie arbeiten und wie sie überwacht werden.

Die eigentliche Prüfung des KI-Zeitalters besteht weniger darin, immer stärkere Modelle zu bauen, als zu lernen, sie sicher, fair und verantwortungsvoll einzusetzen.

Häufig gestellte Fragen (FAQ)

Wurden Claude Mythos 5 und Fable 5 dauerhaft gesperrt?

Nein. Anthropic deaktivierte die Modelle aufgrund einer Exportkontroll-Anweisung der US-Regierung zunächst für alle Nutzer. Anschließend wurde Mythos 5 einigen vertrauenswürdigen US-Organisationen wieder eingeschränkt zugänglich gemacht; über eine erneute Freigabe von Fable 5 wurde weiter verhandelt. Den aktuellen Stand sollte man den offiziellen Mitteilungen von Anthropic entnehmen.

Was ist der Unterschied zwischen Fable 5 und Mythos 5?

Beide teilen dieselben Grundfähigkeiten. Fable 5 ist die öffentliche Version mit Sicherheitsklassifizierern. Mythos 5 hat in einigen Bereichen gelockerte Sicherheitsbeschränkungen und war nur über eingeschränkte Zugangsprogramme verfügbar.

Warum gelten diese Modelle als cybersicherheitskritisch?

Weil sie große Codebasen analysieren, Schwachstellen erkennen, komplexe Softwarebeziehungen verstehen und lange Aufgaben fortführen können. Diese Fähigkeiten helfen Verteidigungsteams, können aber auch Angreifern die Arbeit erleichtern.

Was bedeutet „Jailbreak“?

In der KI bezeichnet Jailbreak Methoden, mit denen die Sicherheitsregeln oder Antwortgrenzen eines Modells umgangen werden. Bei Fable 5 drehte sich die Sorge der US-Regierung um die Behauptung, bestimmte Schutzmaßnahmen ließen sich umgehen. Anthropic erklärte, dies sei eng begrenzt gewesen und es gebe keinen universellen Jailbreak.

Gibt es eine direkte Gefahr für Alltagsnutzer?

Eine unmittelbare große Gefahr besteht nicht. Die Debatte betrifft vor allem Cybersicherheit, kritische Infrastruktur, Modellzugang und staatliche Regulierung. Da leistungsstarke KI die Sicherheitswelt jedoch beeinflusst, sind die indirekten Effekte für alle relevant.

Sind europäische Unternehmen betroffen?

Ja, indirekt. Dass ein US-Modell wegen Exportkontrollen plötzlich abgeschaltet werden kann, zwingt Unternehmen in Europa, ihre KI-Abhängigkeit und Geschäftskontinuität zu überdenken. Im Rahmen des EU AI Act gewinnen Transparenz- und Systemrisiko-Pflichten für allgemeine KI-Modelle an Bedeutung.


Quellen:

Dieser Beitrag stützt sich auf öffentlich zugängliche Quellen; nicht offiziell bestätigte Angaben sind im Text entsprechend gekennzeichnet.

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